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Bis zum Jahr 2004 war umstritten, ob öffentliche Auftraggeber aufgrund von Vergabevorschriften Generalübernehmer beauftragen dürfen. Seit der Entscheidung des Europäischen Gerichtshof (C-314/01) steht fest, dass das Vergaberecht die Beauftragung von Generalübernehmern durch öffentliche Auftraggeber erlaubt. Dies wurde im Rahmen der Überarbeitung der VOB 2006 nunmehr auch durch § 8a Nr. 10 VOB/A Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen für europaweite Ausschreibungen klar gestellt.
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Flucht- und Rettungswege

Selbst wenn die Begriffe Fluchtweg und Rettungsweg im gleichen Sinn verwendet werden, ist es nicht das Gleiche. Im Gegenteil!

Fluchtweg kommt von Fliehen. Darunter versteht man das selbstständige „Sich-in-Sicherheit-bringen“ von Personen aus einem Gefahrenbereich. Es handelt sich hierbei um einen aktiven Vorgang einer gefährdeten Person.

Rettungsweg kommt von Retten. Darunter wird das Befreien aus einer lebensbedrohlichen Zwangslage verstanden. Hierzu wird die Hilfe Dritter benötigt also ein passiver Vorgang für gefährdete Personen.

In Vorschriften, wie den Bauordnungen wird der Begriff Rettungsweg verwendet, da ein Fluchtweg auch gleichzeitig ein Rettungsweg ist.

Grundregel: Flucht- und Notausgangstüren müssen von innen ungehindert und ohne fremde Hilfe zu öffnen sein. Rettungswege müssen über Ausgänge in sichere Bereiche oder unmittelbar ebenerdig ins Freie führen.

Die Muster-Bauordnung hat auch Behinderte bedacht, mit

§ 50 Barrierefreies Bauen

 

  • (1) 1 In Gebäuden mit mehr als zwei Wohnungen müssen die Wohnungen eines Geschosses barrierefrei erreichbar sein; diese Verpflichtung kann auch durch barrierefrei erreichbare Wohnungen in mehreren Geschossen erfüllt werden.
  • 2 In diesen Wohnungen müssen die Wohn- und Schlafräume, eine Toilette, ein Bad sowie die Küche oder die Kochnische barrierefrei sein.
  • 3 § 39 Abs. 4 bleibt unberührt.

 

  • (2) 1 Bauliche Anlagen, die öffentlich zugänglich sind, müssen in den dem allgemeinen Besucher- und Benutzerverkehr dienenden Teilen barrierefrei sein.
  • 2 Dies gilt insbesondere für

      1. Einrichtungen der Kultur und des Bildungswesens,

      2. Sport- und Freizeitstätten,

      3. Einrichtungen des Gesundheitswesens,

      4. Büro-, Verwaltungs- und Gerichtsgebäude,

      5. Verkaufs-, Gast- und Beherbergungsstätten,

      6. Stellplätze, Garagen und Toilettenanlagen.

    3  Für die der zweckentsprechenden Nutzung dienenden Räume und Anlagen genügt es, wenn sie in dem erforderlichen Umfang barrierefrei sind.

    4 Toilettenräume und notwendige Stellplätze für Besucher und Benutzer müssen in der erforderlichen Anzahl barrierefrei sein.

(3)  Die Absätze 1 und 2 gelten nicht, soweit die Anforderungen wegen schwieriger Geländeverhältnisse, wegen des Einbaus eines sonst nicht erforderlichen Aufzugs, wegen ungünstiger vorhandener Bebauung oder im Hinblick auf die Sicherheit der Menschen mit Behinderung nur mit einem unverhältnismäßigen Mehraufwand erfüllt werden können.

Rollstuhlfahrer können deshalb behindertengerecht errichtete bauliche Anlagen ohne wesentliche Einschränkungen benutzen. Im Brandfall bleibt aber unklar, wie diese und Menschen mit anderen Behinderungen eigenständig wieder aus dem Gebäude hinauskommen können.

 

Bauordnung von Rettungswegen

Räume in denen sich Menschen aufhalten, müssen über mindestens zwei voneinander unabhängige, in möglichst entgegengesetzten Richtungen nach außen führende Rettungswege verfügen. Die Bauordnung unterscheidet zwischen erstem und zweitem Rettungsweg. Ein Rettungsweg kann horizontal (z.B. in Form von Gängen und Fluren) oder vertikal (z.B. innerhalb eines Treppenhauses) verlaufen. Die Weglänge ist in den verschiedenen Bauordnungen und Sonderbauverordnung geregelt und darf in der Regel von jedem Punkt eines Raumes bis zum nächsten Ausgang ins Freie oder bis zum nächsten gesicherten Bereich 35 m nicht überschreiten.

Regelwerke, Richtlinien und Verordnungen

Ausgänge und Türen, sowie Rettungswege müssen der

  • DIN 4102
  • den Landesbauordnungen (LBO/BO) der Bundesländer
  • den Durchführungsverordnungen (DVO) entsprechend der LBO/BO
  • den Rechtsverordnungen (RVO) und Richtlinien für Bauten besonderer Art und Nutzung
  • den Eingeführten Technischen Baubestimmungen (ETB)
  • der Versammlungsstätten-Verordnung (VStättVO)
  • der Verordnung über Arbeitsstätten (ArbStättV)
  • den Unfallverhütungsvorschriften (VBG) der Berufsgenossenschaften

entsprechen.

 

Prüfung

Sicherheitstechnische Geräte für Flucht- und Rettungswege werden von VdS Schadenverhütung, MPA oder TÜV geprüft und zertifiziert. Vor der ersten Inbetriebnahme von elektrischen Fluchttür-Steuerungssystemen muss von einem Sachkundigen festgestellt werden, dass die Verriegelung ordnungsgemäß eingebaut wurde und voll funktionsfähig ist.

Die Anlage muss mindestens einmal jährlich durch einen Sachkundigen geprüft werden.

 

Sachkundig ist, wer aufgrund seiner fachlichen Ausbildung und Erfahrung ausreichende Kenntnisse auf dem Gebiet der Sicherung von Türen in Rettungswegen (u.a. gegen Missbrauch) hat und mit den einschlägigen Schutzvorschriften vertraut ist, so dass er den gesicherten Zustand dieser Türen beurteilen kann. Die Geräteschulung erfolgt durch die Hersteller.

 

Planung von Rettungswegen

Die Schutzfunktion eines Rettungsweges wird im Brandfall durch Feuer und Rauch (Brandgase) bedroht. Der Gebäudetyp (z.B. Krankenhäuser oder Lagerräume) muss bei der Planung des Rettungsweges berücksichtigt werden. Krankenhäuser benötigen (zur schnellen Räumung bettlägeriger Patienten) deutlich breitere Rettungswege als kleinere Verkaufsstätten. Der Rettungsweg muss den örtlichen Gegebenheiten gerecht werden und konsequent durchdacht sein.

 

Erster Rettungsweg

Das ist der Weg, der im Gefahrenfall von flüchtenden Person als erstes aufgesucht wird, also der meist benutzte Verkehrsweg. Dieser Weg muss mindestens der voraussichtlichen Zeitdauer des Fliehens standhalten und darf nicht durch Raucheintritt unpassierbar werden.

Der Fluchtweg wird durch den Weg und den Brandabschnitt (z.B. Tür oder Tor) definiert. Die baulichen Voraussetzungen sind in der DIN 4102 geregelt. Die Brennbarkeit von Baustoffen und Bauteilen im Bereich von Rettungswegen bezieht sich auf alle Teile, also auch auf Fußböden, Wandverkleidungen und elektrische Funktionsteile (z.B. Kabel).

Aus Untersuchungen über das Fluchtverhalten von Menschen im Brandfall liegen umfangreiche Erkenntnisse vor. Mit entsprechenden Computer-Programmen lassen sich – speziell für größere Veranstaltungen – Fluchtrichtung, Fluchtgeschwindigkeit und Stauzonen simulieren. Vereinzelt wurden die Ergebnisse in die Bauordnungen übernommen. Danach ist in Fluren eine Stufenfolge von weniger als drei Stufen unzulässig, nachdem man herausgefunden hat, dass der flüchtende Mensch mindesten drei aufeinanderfolgende Stufen erwartet. Andererseits fand die Erkenntnis keinen Zugang in die Vorschriften, dass die Hauptfluchtrichtung bei freien Strecken meist gegen den Uhrzeigersinn verläuft.

Die Breite der Rettungswege ist von der maximal zu erwartenden Personenanzahl und deren Mobilität abhängig. Auf den Wegen dürfen keine Einbauten und Lagerungen vorgenommen werden, die den Fluchtweg verstellen oder zu Stauungen führen würden. Die Rettungsweglänge ist unter anderem von den örtlichen Gegebenheiten abhängig. Bei offenen Garagen liegt sie bei 50 m, nachdem der Rauch schnell abgeführt werden könnte. Die Dauer der Begehbarkeit eines Rettungsweges lässt sich durch eine ausreichende Belüftung und eine erhöhte Feuerwiderstandsdauer positiv beeinflussen. Ein Rettungsweg ist gleichzeitig auch ein Zugang für die Feuerwehr und sollte so gebaut sein, dass er wie ein „Fluchttunnel“ wirkt, wenn einzelne Bauteile darüber einstürzen oder zusammenbrechen.

Die Rettungsweglänge wird in nachstehender Tabelle für die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten am Beispiel der Bauordnung und den Sonderbauverordnungen von Nordrhein-Westfalens aufgezeigt.

 

Rettungsweglängen

Bauart/Nutzung

Bauordnung

Maximale

 Rettungs-

weglänge

Allgemein

von jeder Stelle eines Aufenthaltsraumes bis zum Treppenraum oder ins Freie

35 m

Hochhäuser

von jeder Stelle eines Aufenthaltsraumes bis zum Treppenraum oder ins Freie

25 m

Krankenhäuser

von jeder Stelle eines Aufenthaltsraumes bis zum Treppenraum oder ins Freie

30 m

Versammlungsräume

von jedem Besucherplatz bis zum Ausgang des Versammlungsraumes

25 m

 

von jedem Punkt eines Flures bis zum Treppenraum

30 m

Verkaufsstätten

von jedem Punkt des Verkaufsraumes bis zum nächsten Hauptgang

10 m

 

von jedem Punkt der Verkaufsstätte bis zum nächsten Ausgang, notwendigen Flur oder Treppenraum

25 m

Gaststätten

von jedem Gastplatz bis zum nächsten Hauptgang

5 m

 

bei mehr als 400 Gastplätzen von jedem Gastplatz bis zum nächsten Ausgang

25 m

Garagen

in geschlossenen und unterirdischen Garagengeschossen von jeder Stelle bis zum nächsten Ausgang oder Treppenraum

30 m

 

in oberirdischen offenen Garagen von jeder Stelle bis zum nächsten Treppenraum oder Ausgang

50 m

Schulen

von jeder Stelle eines Unterrichtsraumes bis zum nächsten Treppenraum oder Ausgang (Luftlinie)

25 m

 

in Sporthallen

35 m

Zweiter Rettungsweg

Kann der zweite Rettungsweg nicht über einen Flur oder Treppenhaus sichergestellt werden, so muss eine Treppe nach unten errichtet oder eine Auftrittfläche für ein anleiterbares Rettungsgerät der Feuerwehr geschaffen werden. Ansonsten gelten die gleichen Anforderungen wie für den ersten Rettungsweg.

Es ist zwingend erforderlich und auch notwendig, dass aus jedem Standort innerhalb eines Gebäudes zwei Rettungswege ins Freie nachzuweisen sind. Insbesondere in Bestandsgebäuden erfordert diese im § 33 (1) MBO eindeutig formulierte Gesetzmäßigkeit ein interdisziplinäres Zusammenwirken aller am Bau Beteiligten. Belange der Ästhetik, meist auch des Denkmalschutzes, der Konstruktion, der Grundrissgestaltung, der Nutzungsspezifik, der Benutzbarkeit, der Gebäudesicherheit und nicht zuletzt der Kosten spielen hierbei eine maßgebende Rolle.

Den 2. Rettungsweg kann man auf mehrere Arten nachweisen:

  • Es ist eine weitere „notwendige“ Treppe nach § 34 MBO vorhanden
  • Es ist eine mit Rettungsgeräten der Feuerwehr erreichbare Stelle vorhanden, wobei die Feuerwehr über die hierfür erforderlichen Rettungsgeräte auch verfügen muss und bei Sonderbauten wegen der Personenrettung keine Bedenken haben darf
  • Darauf folgt:
  • Die so genannte „Nottreppe“ (häufig als Außentreppe geplant) ist ebenfalls eine notwendige Treppe, für die § 34 MBO uneingeschränkt gilt und für die eine allgemein anerkannte Regel der Technik als Entwurfsnorm zu berücksichtigen ist (DIN 18065)
  • Regelmäßig ergeben sich die Bedenken beim Einsatz der Rettungsgeräte in Sonderbauten dann, wenn
    • einerseits die Rettungsgeräte, die benötigt werden, nicht verfügbar sind und
    • anderseits die zur Verfügung stehende Zeit für die Personenrettung nicht ausreicht, um alle Personen sicher aus dem Gebäude zu evakuieren.
  • Die zur Verfügung stehende Zeit ergibt sich dabei immer im Einzelfall z. B. aus dem Feuerwiderstand raumabschließender oder tragender Bauteile, welche die Personen solange schützen oder tragen sollen, bis die Feuerwehr vor Ort ist, die Rettungsgeräte einsatzbereit (Hilfsfrist) sind und zudem die Evakuierung erfolgreich abgeschlossen wurde. Bei einer durchschnittlichen Rettungsrate von 3 min pro Person können mit einfachen und logischen Ableitungen ganz schnell die tatsächlichen Bedenken begründet oder die Machbarkeit des Einsatzes der Rettungsgeräte nachgewiesen werden.

Sobald sich das Erfordernis eines 2. baulichen Rettungsweges an oder in einem bestehenden mehrgeschossigen Gebäude ergibt, ist zunächst die Frage zu beantworten, in welcher Weise der Höhenunterschied überwunden werden kann. Hierfür bieten sich prinzipiell verschiedene Lösungsansätze, die in Anhängigkeit der spezifischen Gegebenheiten mehr oder weniger praktikabel sind.

Die Wahl des 2. Rettungsweges ist abhängig von

  • den Platzverhältnissen im Gebäude und auf dem Grundstück,
  • den Grundrissstrukturen (Zugänglichkeit des RW, Erschließung der Nutzungen),
  • den konstruktiven Gegebenheiten (Fundamentierung, Verankerung am und im Gebäude, Durchbruch im Gebäude, Lastableitung neuer / alter Bauteile),
  • den ästhetischen Ansprüchen (Fassadengestaltung, Denkmalschutz),
  • den nutzungsspezifischen Erfordernissen (hilfsbedürftige Personen, Belegungsdichte),
  • den monetären Bedingungen (Investitionen, Wartungskosten, steuerliche Abschreibung usw.),
  • den versicherungsrechtlichen Vorgaben (Einbruchschutz, Betriebsunterbrechung).
  • Die angenehmste, aber sicher auch kostenintensivste Art der Höhenüberwindung ist der Aufzug, wobei seine Benutzung im Brandfall nur möglich ist, wenn es sich um einen Feuerwehraufzug nach DIN EN 81-72 handelt.

Die einfachste und nur für flache Gebäude geeignete Art der Höhenüberwindung ist offensichtlich die Rampe (Wendel- oder Spiralrampe oder geneigte Ebene), wobei diese Lösung aufgrund der nur geringen Neigung einen erheblich größeren Platzbedarf für die Höhenüberwindung nach sich zieht, als eine Treppe. Der Vorteil ist, dass deren Benutzung auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen möglich ist.

 

Tel. 089/1250 3443-0

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